Was Frauen müssen

Oder: wie viele Kinder braucht eine Frau?

Als ich mit 27 meine Tochter bekommen habe, bin ich im Krankenhaus vielen komischen Situationen begegnet. Immer wieder kamen Krankenschwestern ganz verständnisvoll an mein Bett und sagten Dinge, wie „Sie werden sicher in die Situation reinwachsen“, oder „es gibt ganz tolle Hilfsangebote“. Irgendwann habe ich verstanden, die Damen dachten, meine Tochter sei ein „Unfall“ gewesen. Das war sie aber ganz und gar nicht, denn nach unserer Hochzeit haben mein Mann und ich uns ganz bewusst für ein Kind entschieden. Aber in den Augen der Krankenhausmitarbeiterinnen war ich wohl noch etwas jung. Macht ja nichts, war ja nett gemeint und wenn eine Frau 17 Stunden mit Wehen verbracht hat, kann man das Alter sicher auch schwerer schätzen!

Als Emma ca. ein Jahr alt war, und man sah, dass ich als Mutter ganz brauchbar bin, kamen natürlich die ersten Fragen nach einem zweiten Kind. Klar, meine Ehe hatte sich nicht in Luft aufgelöst, finanziell war auch alles im Reinen, da gehört ein zweites Kind hin. Das hat auch tatsächlich gut funktioniert, mit 30 habe ich unseren Sohn bekommen und da ist im Krankenhaus auch keiner mehr davon ausgegangen, dass ich die Pille vergessen habe.

Perfekt, nicht wahr? Zwei Kinder im Abstand von zweieinhalb Jahren, ein Junge und ein Mädchen, die Eltern zusammen, im Haus haben wir auch gewohnt und sogar einen Baum haben wir gepflanzt. Wunderbar, das mag die Gesellschaft.

Blöderweise ist man als Frau dann ja in so einer Hormonspirale, die einem vorgibt, dass frau sich bitte endlos fortpflanzen möge. Da kommt schon, wenn das zweite Kind die Windelgröße Maxi erreicht hat, der Wunsch nach dem dritten Kind.

Aber Achtung! Was bei dem potenziellen, zweiten Kind noch eine euphorische Voraussetzung der Gesellschaft war, schlägt nach zwei Kindern um, in ein vorsichtiges Nachfragen: „Und? Wollt ihr auch noch ein Drittes?“

Plötzlich werden alle nachdenklich. Will sie jetzt gar nicht mehr arbeiten? Hat die Familie überhaupt Platz für ein weiteres Kind? Die Großeltern kriegen auch leichte Schweißperlen auf der Stirn, bei der Vorstellung, demnächst vielleicht drei Kinder hüten zu müssen und ein neues Auto müsste dann ja auch her. Sind dann überhaupt alle vom gleichen Vater?

Und so frage ich Sie, liebe Gesellschaft: Was gehört sich denn nun für eine Frau im Jahr 2021?

Die Sache mit dem Herd und den Pantoffeln haben wir ja Gott sei Dank schon mal abgeschafft und das Eintrittsalter für die Ehe haben wir auch optimiert.

Einen vernünftigen Schulabschluss muss frau auf jeden Fall haben. Ich denke, eine Ausbildung ist gut, oder? Ein Studium würde die Sache mit der Familienplanung vielleicht zu lange heraus zögern, denn zu spät sollte man ja auch nicht Mutter werden, immerhin steht doch im Mutterpass, dass es ab einem Alter von 35 eine Risikoschwangerschaft ist.

Verheiratet sein, klar! Aber bitte gut ausgewählt. Der Traumprinz muss ja schon für die Familie sorgen können, nicht wahr? Sonst wird die Sache mit dem ersten Kind schon schwierig, die Mutter sollte doch nicht zu schnell wieder arbeiten müssen. Wenn der Punkt mit der Ehe vernünftig ausgeführt wurde, dann kann es also losgehen, mit der

Kinderplanung. Das erste Kind mit Ende 20 ist gut, oder? Wenn man auch diese Aufgabe gut meistert, dann muss schon relativ schnell ein Zweites her, da fragt auch jeder brav nach („Auf einem Bein kann man doch nicht stehen…“)! Aber wie geht es dann weiter?

Die Frau sollte auf jeden Fall wieder ins Berufsleben einsteigen, sonst wird es nämlich auf einmal unfair, wenn der Traumprinz ganz alleine für die Familie sorgen muss und Stimmen könnten laut werden, die Frau sei vielleicht faul?

Aber die Kinder müssen auch wohlerzogen sein, gute Noten nach Hause bringen und nicht zu vergessen, der Haushalt! Aber das hat ja nichts mit „sorgen“ zu tun, das liegt uns Frauen im Blut, das müssen wir können.

Aber… was ist denn mit Frauen, bzw. Paaren, die sich ganz bewusst gegen Kinder entschieden haben? Geben Sie mal aus Spaß „Kinderlose Paare – egoistisch“ bei einer Suchmaschine ein. Ich mache keine Witze! Da gibt es ernsthaft Diskussionen drüber und zwar eine Menge.

Ich möchte das bisher Geschriebene und von mir persönlich so Empfundene noch einmal kurz zusammenfassen:

Gleichgeschlechtliche Hochzeit mit einem adäquaten Partner für die Fortpflanzung (ich denke, alles andere gibt Raum für mindestens 3 weitere Blogartikel)
Zwei Kinder, der Abstand sollte nicht zu groß sein.

Für ein drittes Kind muss man schon herausragende, familiäre Verhältnisse und optimale Voraussetzungen vorweisen (das viel verwendete Adjektiv von Kritikern möchte ich hier gar nicht erwähnen)
Kinderlos bleiben, das ist eigentlich gar nicht würdig, hier aufgelistet zu werden

Liebe Gesellschaft, wie oben schon gesagt, wir leben im Jahr 2021! Und da gerade noch Februar ist, können wir vielleicht noch schnell einen Vorsatz verfassen:

Lasst uns alle gemeinsam die Schubladen der Gedanken öffnen, alles herausholen was wir finden und es wie wild durch die Luft werfen!

Lasst uns aufhören, kinderlose Paare zu fragen, ob sie gar keine wollen! Lasst uns aufhören, Paare mit einem Kind hoffnungsvoll nach dem Zweiten zu fragen! Und lasst uns vor allem aufhören, Vorurteile zu haben!

Plädieren wir nicht ständig für Individualität? Dann sollten wir auch individuelle Entscheidungen berücksichtigen und vor allem respektieren.

Ich finde nämlich, wir Frauen müssen ganz schön viel entscheiden und das sogar ziemlich langfristig. Viele dieser Entscheidungen müssen gut überlegt sein, denn bei manchen gibt es kein Zurück. Allerdings ist der Zeitpunkt, an dem diese Entscheidungen getroffen werden müssen, ein Blöder. Wir sind da nämlich noch ganz schön jung und wissen oft gar nicht so recht, was wir wirklich wollen. Was im Übrigen meist dann auch erst der Fall ist, wenn wir schon eine Menge dieser Entscheidungen getroffen haben.

Und außerdem, hat eigentlich schon mal jemand danach gefragt, wo wir diese Traumprinzen zum richtigen Zeitpunkt herkriegen?

In diesem Sinne, lasst uns Frauen mal, wir machen das schon!

P.S.: Auch, wenn mein Hormonhaushalt es erstmal nicht auf sich beruhen lassen konnte, wir haben uns gegen ein drittes Kind entschieden. Ganz allein für uns, haben wir diese Entscheidung getroffen.

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